Café Kyjiw

Ein geschützter Ort für Begegnung, Beratung und Selbstorganisation · Metzingen 2022–2024

Integration / Begegnung / Beratung

Ankommen braucht mehr als eine Unterkunft

Ukrainische Geflüchtete und Unterstützende beim Café Kyjiw im Kulturforum Metzingen
Das Café Kyjiw im Kulturforum Metzingen brachte Menschen zusammen und gab ukrainischen Geflüchteten einen verlässlichen Ort.

Kurz nach Beginn des russischen Angriffskrieges kamen viele Menschen aus der Ukraine ins Ermstal. Neben Wohnung, Kleidung und Behördengängen brauchten sie vor allem einen Ort, an dem sie sich sicher fühlen, einander begegnen und ihre Erfahrungen in der eigenen Sprache teilen konnten. Aus diesem Bedarf entstand 2022 das Café Kyjiw.

Seit 2022Aufgebaut als dauerhaftes Integrations- und Begegnungsangebot.
Spätestens alle zwei WochenEin geschützter Treffpunkt für ukrainische Geflüchtete.
Einmal im MonatFachvorträge und Informationen zu wichtigen Alltagsthemen.

Das Kulturforum öffnete seine Türen

Bereits im Mai beziehungsweise Juni 2022 stellte das Kulturforum Metzingen seine Räume zur Verfügung. Gemeinsam mit ERMSTALHILFT und weiteren Engagierten entstand dort eine kostenlose Plattform für Begegnung, Erfahrungsaustausch, Vernetzung und Integration. Das Kulturforum bot nicht lediglich einen Veranstaltungsraum: Es schuf einen verlässlichen Rahmen, in dem Gemeinschaft wachsen konnte.

Das Café war keine einmalige Willkommensveranstaltung. Die Geflüchteten konnten sich spätestens alle zwei Wochen in einem geschützten Raum treffen. Dabei war bewusst Zeit vorgesehen, in der sie unter sich sprechen konnten – ohne Erklärungsdruck, in der eigenen Sprache und mit Menschen, die ähnliche Verluste, Sorgen und Herausforderungen erlebt hatten.

Unterstützung durch die Belegschaft von HUGO BOSS

Finanziell ermöglicht und über längere Zeit getragen wurde das Projekt durch die Unterstützung von HUGO BOSS in Metzingen. Dokumentiert ist eine Spende der Belegschaft in Höhe von 6.000 Euro. Diese Förderung half dabei, das Angebot verlässlich aufrechtzuerhalten, Veranstaltungen zu organisieren und den Treffpunkt über die erste Nothilfe hinaus fortzuführen.

Das Entscheidende war die Verlässlichkeit: Die Menschen wussten, dass sie wiederkommen konnten – zum Gespräch, mit einer Frage oder einfach, um nicht allein zu sein.

Orientierung im deutschen Alltag

Einmal im Monat wurde der geschützte Treffpunkt durch Informations- und Beratungsangebote ergänzt. Fachleute und ehrenamtlich Engagierte erklärten Abläufe, beantworteten Fragen und halfen dabei, sich in einer zunächst fremden Lebenswirklichkeit zurechtzufinden.

Arbeit und Jobcenter
Arbeitssuche, Stellenangebote, Bewerbungen und Zuständigkeiten.
Versicherungen
Welche Versicherungen in Deutschland wichtig sind und worauf zu achten ist.
Behörden und Arztbesuche
Unterstützung bei Anträgen, Terminen und sprachlichen Hürden.
Wohnen und Alltag
Wohnungssuche, Mülltrennung und praktische Fragen des täglichen Lebens.
Kinder und Familien
Kinderbetreuung und Entlastung während Treffen und Veranstaltungen.
Kultur und Gedenken
Musik, gemeinsame Veranstaltungen und Gedenktage zum Beginn des Krieges.

Diese Angebote ersetzten keine Behörden oder professionellen Beratungsstellen. Sie übersetzten jedoch komplizierte Verfahren in verständliche Schritte und halfen den Geflüchteten dabei, passende Ansprechpartner zu finden und zunehmend selbstständig zu handeln.

Ein Raum, in dem die Geflüchteten unter sich sein konnten

Mindestens ebenso wichtig wie die Vorträge war das, was nicht in einem Programm stand: Gespräche untereinander. Im Café konnten Sorgen geteilt, Informationen ausgetauscht, neue Freundschaften geschlossen und gegenseitige Hilfe organisiert werden. Die Teilnehmenden waren dort nicht nur Empfängerinnen und Empfänger von Unterstützung. Sie gestalteten den Treffpunkt mit, brachten eigene Kenntnisse ein und entwickelten gemeinsame Aktivitäten.

Damit verband das Café zwei Ebenen, die für gelingende Integration zusammengehören: Unterstützung beim Ankommen in Deutschland und die Möglichkeit, Sprache, Kultur und persönliche Beziehungen aus der Ukraine zu bewahren.

Von der begleiteten Hilfe zur Selbstorganisation

Das von ERMSTALHILFT und dem Kulturforum getragene Café Kyjiw lief bis Dezember 2024. Als die bisherige Förderung auslief, sollte die gewachsene Gemeinschaft nicht auseinanderfallen. Die Stadt Metzingen stellte deshalb unentgeltlich ein ehemaliges Pförtnerhaus am Bahnhof zur Verfügung. Seit Anfang 2025 wird dieser Ort als „Campus“ von ukrainischen Geflüchteten zunehmend selbst organisiert.

Dort werden die bisherigen Themen weitergeführt und um neue Angebote ergänzt: eine Chorgruppe, Kunst- und Bastelnachmittage, einfache Deutschkurse für ältere Menschen und Yoga. Auch am Metzinger Weihnachtsmarkt 2024 beteiligte sich die Gruppe gemeinsam. Aus einem Hilfsangebot wurde so Schritt für Schritt eine selbst getragene Gemeinschaft.

Das Café Kyjiw war deshalb ein gelungenes Integrationsprojekt: Es gab Schutz und Orientierung, förderte Begegnung und führte schließlich zu mehr Eigenständigkeit und Selbstorganisation.

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