Chronik · 18. Dezember 2024

Drei Jahre ERMSTALHILFT – Engagement, Menschlichkeit und Hoffnung

Mehr als 100 Interessierte erhalten Einblicke in Hilfstransporte, Integration und Partnerschaften.

Mehr als 100 Gäste bei der ERMSTALHILFT-Veranstaltung im Susanna-von-Zillenhart-Saal
Ein voller Saal und großes Interesse: ERMSTALHILFT legte seine Arbeit offen und stellte die Menschen hinter den Projekten vor.

Mehr als 100 Interessierte kamen am 18. Dezember 2024 in den Susanna-von-Zillenhart-Saal in Dettingen an der Erms. Der Abend war Rückblick, Rechenschaftsbericht und persönliche Begegnung zugleich.

Fotos, Filme und Berichte aus fast drei Jahren Vereinsarbeit machten sichtbar, wie aus einer spontanen Hilfsinitiative ein verlässliches Netzwerk im Ermstal und in der Ukraine entstanden war. Simon Nowotni und Martin Salzer führten gemeinsam mit zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern durch die unterschiedlichen Arbeitsbereiche. Dabei ging es nicht nur um Zahlen, Fahrzeuge und Hilfsgüter, sondern vor allem um die Menschen, die Hilfe organisieren, transportieren und vor Ort weitergeben.

Von der Aufnahme Geflüchteter zur dauerhaften Hilfe

Am Anfang stand die unmittelbare Reaktion auf den russischen Angriffskrieg. Mit Unterstützung zahlreicher Gastgeberfamilien wurden knapp 600 Geflüchtete im Ermstal unbürokratisch aufgenommen. Unterkünfte mussten gefunden, Ankünfte koordiniert und viele Fragen des täglichen Lebens gelöst werden. Aus dieser ersten Nothilfe entwickelten sich Sprachkurse, Beratungsangebote, Begleitung zu Behörden und Unterstützung beim Einstieg in Arbeit und Ausbildung.

Die Veranstaltung zeigte, dass die Hilfe im Ermstal und die humanitären Einsätze in der Ukraine von Beginn an zusammengehörten. Während hier sichere Unterkünfte und Orientierung geschaffen wurden, sammelten und sortierten Ehrenamtliche zugleich Hilfsgüter für Krankenhäuser, Feuerwehren, Schulen, soziale Einrichtungen und Familien in der Ukraine.

Viele Aufgaben – viele Verantwortliche

Nicole Martel berichtete über die Organisation der Annahmestelle: Spenden mussten geprüft, nach Bedarf zusammengestellt, verpackt und für die nächsten Transporte vorbereitet werden. Hinter jedem beladenen Fahrzeug standen viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit.

Horst König gab Einblick in die Transportkoordination und in persönliche Begegnungen während der Fahrten. Die Delegationstouren dienten nicht allein der Übergabe von Hilfsgütern. Vor Ort wurden Bedarfe aufgenommen, Projekte überprüft und Beziehungen zu kommunalen Partnern, Einsatzkräften und medizinischen Einrichtungen vertieft.

Anja Webb stellte Sprachkurse und Integrationsangebote vor. Damit wurde deutlich, dass erfolgreiche Hilfe auch nach der Ankunft weitergehen muss: Sprache, verlässliche Ansprechpersonen und praktische Begleitung öffnen Wege in ein selbstbestimmtes Leben.

Vortrag über Rettungseinsätze und medizinische Hilfe bei der ERMSTALHILFT-Veranstaltung
Originalaufnahmen und persönliche Berichte vermittelten, was medizinische Hilfe und Rettungseinsätze im Kriegsgebiet konkret bedeuten.

Hilfe unter den Bedingungen des Krieges

Besonders eindrücklich waren die Berichte über verletzte Menschen, Rettungseinsätze und medizinische Unterstützung. Gezeigt wurde, wie Fahrzeuge, medizinisches Material und persönliche Kontakte zusammenspielen müssen, damit Hilfe auch unter schwierigen Bedingungen ihr Ziel erreicht. Die Bilder aus der Ukraine ließen keinen Zweifel daran, in welchem Umfeld die Partner von ERMSTALHILFT arbeiten.

Die persönlichen Fahrten waren deshalb ein zentraler Bestandteil des Abends. Sie schaffen Vertrauen und ermöglichen eine Hilfe, die sich an tatsächlichen Bedarfen orientiert. Rückmeldungen aus Krankenhäusern, Feuerwehren und Kommunen fließen unmittelbar in die Planung der nächsten Transporte ein.

Zerstörter Panzer und beschädigtes Gebäude als Eindruck einer ERMSTALHILFT-Reise in die Ukraine
Die Folgen des Krieges begegnen den Delegationen unmittelbar. Das Bild wurde während einer Reise in die Ukraine aufgenommen.

Menschen hinter den Projekten

Neben Transporten und Sachspenden standen persönliche Lebenswege im Mittelpunkt. Die Geschichten von Ludmilla Lutsanova, Elena Menshikova und Victoria Mitieva zeigten, was gelungene Integration bedeuten kann. Aus der ersten Unterstützung nach ihrer Ankunft entwickelten sich neue Perspektiven; alle drei fanden dauerhafte Beschäftigung und wurden selbst zu wichtigen Brücken zwischen den Menschen im Ermstal und in der Ukraine.

Solche Entwicklungen sind kein Nebenthema der Vereinsarbeit. Sie zeigen, dass Solidarität Menschen nicht auf ihre Rolle als Hilfsempfänger reduziert. Wer zunächst Schutz und Unterstützung benötigt, kann mit Sprache, Vertrauen und einer beruflichen Perspektive selbst Verantwortung übernehmen und anderen helfen.

Ein Abend des Dankes und der Transparenz

Die Veranstaltung machte die Breite der Arbeit sichtbar und bot zugleich Gelegenheit, Fragen zu stellen. Die Bilderausstellung im Saal dokumentierte Transporte, Übergaben, Partnerschaften und Begegnungen. Viele der Ehrenamtlichen, Gastgeberfamilien, Fahrer, Spender und Unterstützer konnten an diesem Abend erleben, was aus ihrem jeweiligen Beitrag entstanden war.

ERMSTALHILFT dankte den Menschen, Unternehmen und Kommunen im Ermstal ebenso wie den Partnern in der Ukraine. Der volle Susanna-von-Zillenhart-Saal war dabei selbst ein Zeichen: Das Interesse an der Ukrainehilfe war auch fast drei Jahre nach Kriegsbeginn ungebrochen.

Was der Abend deutlich machte: Humanitäre Hilfe besteht nicht aus einzelnen Lieferungen. Sie wächst aus Verlässlichkeit, persönlicher Verantwortung und Beziehungen, die auch dann tragen, wenn die öffentliche Aufmerksamkeit nachlässt.

Bilder vom Informationsabend

Datum: 18. Dezember 2024
Ort: Susanna-von-Zillenhart-Saal, Dettingen an der Erms
Teilnehmende: mehr als 100 Interessierte
Themen: Flüchtlingsaufnahme, Integration, Hilfstransporte, medizinische Hilfe und Partnerschaften

Quelle und weitere Dokumentation

Reutlinger General-Anzeiger: „Wie der Verein Ermstal hilft funktioniert“

Der Bericht wurde außerdem anhand der Veranstaltungsfotos und der dokumentierten Beiträge der Mitwirkenden erweitert.