Kirchheim und Sarata – aus Hilfslieferungen wächst Partnerschaft

Die lange bestehenden bessarabiendeutschen Kontakte zwischen Kirchheim unter Teck und Sarata erhielten 2024 eine neue kommunale Perspektive. Nach einer Delegationsreise in die Region beauftragte der Kirchheimer Gemeinderat die Verwaltung am 15. Mai 2024 einstimmig, eine Solidaritätspartnerschaft mit der Territorialgemeinde Sarata vorzubereiten.
Dieser Weg ist ausdrücklich von der Solidaritätspartnerschaft der Ermstalkommunen mit Arzys zu unterscheiden: Kirchheim unter Teck arbeitet mit Sarata zusammen; Metzingen, Bad Urach und Dettingen an der Erms sind die deutschen Partner von Arzys.
Bedarfe wurden vor Ort aufgenommen
Gespräche mit der Bürgermeisterin Victoria Raycheva sowie Verantwortlichen von Feuerwehr, Hilfsdiensten, Schulen und medizinischen Einrichtungen machten deutlich, wo Unterstützung besonders benötigt wurde. Dokumentiert wurden unter anderem Engpässe bei medizinischer Ausstattung, Energieversorgung, Feuerwehrfahrzeugen und Schutzausrüstung sowie bei der Ausstattung von Schulschutzräumen.
Dr. Pascal Bader berichtete im April 2024 außerdem über die Gefährdung der Rettungskräfte durch zeitversetzte Folgeangriffe. In Sarata hatten sich Feuerwehrleute retten können, während ein Einsatzfahrzeug zerstört wurde. Gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim unter Teck sollten deshalb Möglichkeiten für Fahrzeuge und Ausrüstung geprüft werden. Auch die Bedingungen im Krankenhaus und die im Schutzkeller vorbereiteten Behandlungsräume wurden in die Bedarfserhebung einbezogen.
Technische Hilfe zum Jahresende
Im Dezember berichtete der Teckbote über eine Lieferung mit Solarmodulen, Balkonkraftwerken, Schultafeln und einem Luftreiniger für einen Schutzraum. Damit verband der Transport akute Hilfe mit längerfristigem Nutzen: unabhängigere Energieversorgung, bessere Lernbedingungen und mehr Sicherheit für Kinder.
Sarata und seine bessarabiendeutsche Geschichte
Sarata wurde 1822 von deutschen Einwanderern aus Württemberg und Bayern gegründet. Der Ort entwickelte sich zu einem wichtigen geistlichen, sozialen und pädagogischen Zentrum der Bessarabiendeutschen. Zu seinen prägenden Einrichtungen gehörten die evangelische Kirche, die 1844 eröffnete Wernerschule als Lehrerbildungsanstalt, das Alexander-Asyl und ein deutsches Krankenhaus. Die historischen Verbindungen bilden heute eine kulturelle Brücke; die moderne Solidaritätspartnerschaft richtet sich zugleich ganz konkret auf die Bedürfnisse der heutigen ukrainischen Gemeinde.
Vom Beschluss zur förmlichen Partnerschaft
Der Beschluss von 2024 leitete die Partnerschaft ein. Im Jahr 2025 folgte die förmliche Vereinbarung zwischen Kirchheim unter Teck und der Territorialgemeinde Sarata. Sie sieht Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch in kommunalen Aufgabenfeldern vor und gibt den bereits laufenden Hilfsprojekten einen dauerhaften Rahmen.
Quellen & weiterführende Informationen
- Stadt Kirchheim unter Teck: Vorbereitung der Solidaritätspartnerschaft · 15. Mai 2024
- Stadt Kirchheim unter Teck: Vereinbarung über die Solidaritätspartnerschaft mit Sarata
- Bessarabiendeutscher Verein: 200 Jahre Sarata
- Pascal Bader: Bedarfserhebung in Sarata · April 2024
- Der Teckbote: „Kirchheim zeigt sich solidarisch mit Sarata“, 24. Mai 2024.
- Der Teckbote: „Kirchheim schickt Hilfsgüter in die Ukraine“, 20. Dezember 2024.
Die Zeitungsscans wurden redaktionell ausgewertet, aber nicht in das öffentliche Paket kopiert.
